Bei der Größe des Landes ist auch die Kultur Brasiliens äußerst vielfältig und oft regional geprägt. Es sollen an dieser Stelle einige wichtige Namen aus unterschiedlichen Kulturbereichen vorgestellt werden, die zu weiteren persönlichen Nachforschungen anregen mögen.
Musik
Hier finden sie einige VertreterInnen unterschiedlicher, wichtiger brasilianischer Musikrichtungen.
MPB – Populäre brasilianische Musik Die wichtigsten sind auch in Deutschland, oft auch durch Shows bei brasilianischen Musikfestivals, bekannt: Caetano Veloso, Gilberto Gil (momentan Kultusminister!), Milton Nascimento und Djavan bei den Männern; Marisa Monte, Maria Bethânia (Schwester von Caetano Veloso) und die zu jung verstorbene Cássia Eller bei den Frauen; bei den Rockgruppen müssen Legião Urbana, Barão Vermelho und Titãs erwähnt werden. Im Bereich des Bossa Nova kennt die ganze Welt den Song der „Garota de Ipanema“ – des „Girl from Ipanema“ von Tom Jobim und Vinícius de Moraes. Der Samba, der im Choro seinen Vorläufer hatte, wurde von Carmen Miranda via Hollywood in die Welt getragen. In Rio de Janeiro ist der Sängerin ein Museum gewidmet. Weiterhin sind als Musikgenre zu nennen Forro aus dem Nordosten und afro-brasilianische Musik (Axé) aus Bahia mit Namen wie Ivete Sangalo, Daniela Mercury, Margareth Menezes und dem progressiven Carlinhos Brown. Gruppen wie Olodum und Timbalada waren mehrfach in Deutschland. Ausserdem ist heute selbstverständlich elektronische Musik und Rapgesang wichtig.
Klassische Musik
Auch sie ist in Brasilien existent und hat einen wichtigen Komponisten aufzuweisen.
Klassische Musik hat in Brasilien sicherlich nicht den Stellenwert wie in Deutschland oder genauer gesagt, das Publikum ist wesentlich kleiner, doch der Name des brasilianischen Komponisten muss genannt werden: Heitor Villa-Lobos (1887-1959) – seine neun „Bachianas Brasileiras“, mit denen er eine nationale Version der Brandenburgischen Konzerte schaffen wollte, sind sehr empfehlenswert.
Architektur
Die beiden wesentlichen Namen aus den Bereichen Architektur und Landschaftsarchitektur werden hier kurz vorgestellt.
In der Architektur kommt man an dem mittlerweile 100 Jahre alten, noch immer in seinem Büro an der Copacabana in Rio de Janeiro aktiven, Oscar Niemeyer nicht vorbei. Ungezählt sind seine Projekte, zahlreich seine umgesetzten Werke. Hervorgehoben seien stellvertretend nur die Regierungsgebäude und die Kathedrale in Brasília, das Museum für zeitgenössische Kunst in Niterói, der Rio de Janeiro gegenüberliegenden Stadt, oder auf internationaler Ebene die Zentrale der Kommunistischen Partei Frankreichs in Paris, entworfen von einem Kommunisten.
Auch ein Landschaftsarchitekt sei hier angefügt, der Landschaftsarchitekt Brasiliens, Roberto Burle Marx (1909–1994), der 19jährig im Botanischen Garten in Berlin-Dahlem sich dem Studium tropischer Pflanzen widmete. Zurück in Rio studierte er an der Nationalen Akademie der Schönen Künste und arbeitete später an der Seite von Architekten wie Lúcio Costa in Brasília. Sehr präsent ist sein Werk in Rio de Janeiro, auch international ist er z.B. mit den Gärten des UNESCO-Gebäudes in Paris vertreten. Sein Landsitz in Barra de Guaratiba, noch in den Stadtgrenzen Rios gelegen, ist ein wenig bekanntes, doch lohnendes Ausflugsziel.
Malerei
Reichhaltig sind die Stile und die Namen dahinter.
Zwei große werden genannt.
Stellvertretend für viele seien die Namen von Emilio di Cavalcanti (1897-1976) und Cândido Portinari (1903-1962) erwähnt. In Paris traf Di Cavalcanti auf Léger, Matisse und Picasso. Er war einer der ersten Künstler, die sich besonders nationalen Themen widmete. Auf der 1. Biennale in São Paulo 1951 war er als speziell Eingeladener vertreten. Portinari besuchte die Nationalakademie der Schönen Künste in Rio de Janeiro und gab nach einer Europareise seine klassische Linie auf. Fortan malte er vorwiegend das menschliche Leiden im ländlichen Raum. Seine Gemälde „Krieg“ und „Frieden“ zieren den Sitz der UNO in New York.
Bildhauerei
Den bekanntesten Namen findet man in der schon etwas zurückliegenden Vergangenheit.
Um den wichtigsten Bildhauer Brasiliens zu nennen, muss man bis an den Übergang vom Barock zum Rokkoko zurückgehen. Dort findet sich Antônio Francisco Lisboa (1730-1814), besser bekannt als Aleijadinho (Krüppelchen), aus Minas Gerais. Sein Alters-Meisterwerk sind die 12 Propheten aus Speckstein am Aufstieg zur Bom Jesus do Matosinhos-Basilika im Kolonialstädtchen Congonhas. In Ouro Preto ist Aleijadinho ein Museum gewidmet.
Zeitgenössische Kunst
Für Liebhaber dieser Richtung ist 2008 ein wichtiges Jahr.
Anstelle hier auf zahlreiche Namen zu verweisen, soll der Hinweis auf die immer zu geraden Jahreszahlen, also auch 2008 stattfindende Biennale von São Paulo gegeben werden. Sie dient auch als Kontaktforum zwischen brasilianischen und internationalen Künstlern. Veranstaltungsort ist der Ibirapuerapark, gemeinsames Projekt von Oscar Niemeyer und Roberto Burle Marx, in der größten brasilianischen Metropole. Die 28. Ausgabe der Biennale ist zwischen Oktober und Dezember diesen Jahres geplant.
Kino
Ein Klassikerfilm, ein Regisseur der Vergangenheit und ein aktuell erfolgreicher Name.
Der Klassiker des französischen Regisseurs Marcel Camus „Orfeu Negro“ von 1959 darf hier nicht unerwähnt bleiben. Er transponiert die Geschichte von Orpheus und Eurydike aus der griechischen Mythologie in eine Favela Rio de Janeiros zur Zeit des Karnevals. Die Mehrzahl der Filmmusikstücke ist von Tom Jobim und Vinícius de Moraes und markiert den Beginn ihrer Zusammenarbeit. Unter dem Titel „Orfeu“ wurde die Geschichte 1999 von Cacá Diegues neu verfilmt.
Glauber Rocha (1939-1981) war ein zu seiner Zeit wenig verstandener bahianischer Filmemacher mit apokalyptischer Sicht auf eine zu zunehmender Dekadenz neigende Welt.
Walter Salles, Jahrgang 1956 und Sohn des brasilianischen Botschafters in Washington in den 50er Jahren, sticht unter den aktuellen Regisseuren hervor. Mit „Central do Brasil“ mit Fernanda Montenegro in der Hauptrolle gewann er 1998 den Goldenen Bären der Berliner Filmfestspiele.
Der diesjährige Gewinnerfilm des Goldenen Bären auf der Berlinale, den 58. Internationalen Filmfestspielen, schlug schon in Brasilien hohe Wellen. Regisseur José Padilha behandelt hier den schwierigen Alltag der Polizeisondereinheit BOPE im Kampf gegen Drogenbosse und Milizen in Rio de Janeiro. Dabei bedient sich die Einheit durchaus auch zweifelhafter Methoden, Themen wie Korruption und Anwendung von Folter werden nicht ausgespart. Noch bevor der Film offiziell in die Kinos kam, wurde er schon von schätzungsweise über 11 Millionen Brasilianern auf DVD-Raubkopien und im Internet gesehen, was jedoch seinen späteren Kassenerfolg nicht verhindern sollte. Ursprünglich plante Regisseur Padilha einen Dokumentarfilm, basierend auf dem Bestseller eines Anthropologen und zweier BOPE-Offiziere „Elite da Tropa“. Zur Kenntnis nehmend, dass es unmöglich sein würde, Polizisten zu finden, die bereit wären, wahrhafte Erklärungen über im Buch beschriebene Fakten abzugeben, nahm der Regisseur Abstand vom Dokumentarfilm. So entstand ein (wohl nicht gänzlich) fiktives Werk, auf dem Buch basierend.
Literatur
Eine Auflistung wichtiger Namen als Leseanregung.
Die Literatur Brasiliens ist zu vielfältig, und zu zahlreich sind die Namen der Autoren und Autorinnen, als dass hier einzelne wenige herausgestellt werden könnten. Stattdessen seien hier wichtige Klassiker und ebenso Zeitgenössische, von denen auch etliche ins Deutsche übersetzt worden sind, aufgeführt.
Zu den bedeutenden Autoren gehören José de Alencar, Machado de Assis, Monteiro Lobato, Lima Barreto, Euclides da Cunha, Graciliano Ramos, Guimaraes Rosa, Érico Veríssimo, Jorge Amado, Paulo Coelho, Ignácio Loyola Brandão, Moacyr Scliar, João Ubaldo Ribeiro. Bei den Schriftstellerinnen sind Clarice Lispector, Rachel de Queiroz, Lya Luft und Lídia Fagundes Telles zu nennen. Wesentliche Dichterinnen und Dichter sind Cecília Meireles, Olavo Bilac, Gonçalves Dias, Castro Alves, Carlos Drummond de Andrade, Ferreira Gullar.
Theater
Ursprung, zwei Namen des 20.Jahrhunderts und Freiluftspektakel
Interessantes Detail beim Thema Theater in Brasilien ist, dass es bereits im 16. Jahrhundert aufkommt und als Motiv die Verbreitung des religiösen Glaubens, die Katechese, hat. In jener Zeit schreibt schon der Jesuitenpater José de Anchieta, einer der Gründer von São Paulo, die ersten Stücke.
Im vergangenen Jahrhundert dann beginnt mit Inszenierungen der Schriftsteller und Dramaturgen Oswald de Andrade und Nelson Rodrigues das moderne Theater. Von letzterem werden zwischen 1941 und 1978 siebzehn Theaterstücke in Rio de Janeiro aufgeführt. Daneben schreibt Rodrigues Romane, Erzählungen und Chroniken. Etliches von seinem Werk dient als Vorlage für Telenovelas und Filme.
Die größte Theaterproduktion des Landes findet jährlich weit entfernt der Kulturachse Rio de Janeiro – São Paulo statt. In Nova Jerusalém im Bundesland Pernambuco stellen Hunderte Laienschauspieler vor Tausenden Zuschauern in der Karwoche die Passion Christi dar. Das Freilufttheater ist mit 70.000 Quadratmetern das größte der Welt.
Fotografie
Man kann nicht über brasilianische Fotografie sprechen, ohne Sebastião Salgado zu erwähnen.
In Minas Gerais 1944 geboren, macht Salgado zunächst seinen Universitätsabschluss in Wirtschaftswissenschaften, bevor er nach einer Afrikareise mit geliehener Kamera zur Fotografie wechselt. In seiner heutigen Arbeit widmet er sich dem Leben von Menschen, die von der Gesellschaft ausgeschlossen sind. Seit dem Jahre 2001 ist er Sonderbotschafter der UNICEF. Salgado hat zehn Bücher veröffentlicht, erhielt zahlreiche Preise und ist international bekannt. In Deutschland wurden die Bildbände „Arbeiter“, „Terra“, „Migranten“ und „Kinder“ veröffentlicht. Mit seiner Frau in Paris lebend, gründete er 1994 seine eigene Agentur „AMAZONASimages“. Sebastião Salgado formuliert seinen Anspruch an die Betrachtung seiner Bilder so: „Ich hoffe, dass die Person, die meinen Ausstellungsraum betritt, nicht mehr dieselbe ist, wenn sie ihn wieder verlässt.“
Abschließender Hinweis: Sollten Ihnen diese einführenden Informationen zu einem intensiven, kontrastreichen, immensen, nicht unproblematischen, aber immer einfach schönen und faszinierenden Land Geschmack auf mehr gemacht haben, dann wären sie hier www.reisen-nach-brasilien.com sehr gut aufgehoben!