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GeschichteEinführung in die Geschichte BrasiliensVon Wolfram Tetzner | 01. Januar 2008 Brasiliens Geschichte wird traditionell in vier Hauptperioden eingeteilt: Die vorkoloniale Zeit oder die Zeit vor der Entdeckung 1500, die koloniale Zeit von 1500 bis 1822, das Kaiserreich von 1822 bis 1889 und die sich anschließende Republik bis in heutige Tage. Zum ersten Geschichtsabschnitt vor der Entdeckung am 22.04.1500 durch Pedro Álvares Cabral ist festzuhalten, dass die damalige indigene Bevölkerung an der Ostküste Südamerikas auf ca. zwei Millionen geschätzt wird. Sie setzte sich aus vielfältigen ethnischen Gruppen, unter denen jene der Tupi-Guarani, der Jê und der Aruaque hervorzuheben sind, zusammen. Den intensivsten Kontakt mit den Kolonisatoren hatten die Tupi. Heute leben wieder, nach einem Minimum von 100.000 in den 50er Jahren, 450.000 Indios in Reservaten und auch Städten Brasiliens. Die koloniale Entwicklung, zunächst auf der Extraktion des Brasilholzes, dann auf Zuckerrohranbau und Gold- und Diamantenbergbau beruhend, verlief nicht frei von Konflikten. Im 17. Jahrhundert gründen Sklaven, die von den Zuckerplantagen flüchten, sogenannte Quilombos, die zu ihren Rückzugs- und Resistenzgebieten werden. Zum bekanntesten entwickelt sich eines im heutigen Bundesstaat Alagoas, das Quilombo von Zumbi dos Palmares, benannt nach seinem Anführer. 1694, nach Dekaden des Widerstandes, muss das Quilombo der Übermacht des portugiesischen Heeres nachgeben. Zumbi, von einem ehemaligen Mitstreiter verraten und denunziert, wird am 20. November des folgenden Jahres hingerichtet. Heute ist dieser Tag in vielen brasilianischen Städten der „Tag des negroiden Bewußtseins“. Als in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die portugiesische Krone beginnt, die steuerliche Kontrolle in der Kolonie bei gleichzeitigem Rückgang der Goldförderung zu intensivieren, regt sich in Minas Gerais verschwörerischer Widerstand. Einer der Anführer der Gruppe war Joaquim José da Silva Xavier, mit Spitznamen Tiradentes. Die Verschwörung hatte zum Ziel, die portugiesische Vorherrschaft zu beenden und ein freies Land Minas Gerais zu errichten. Doch es kommt 1789 zum Verrat und zur Verurteilung der Anführer, Tiradentes wird in Rio de Janeiro hingerichtet. Später, zu Zeiten der Republik, soll er zu einem der größten Märtyrer der Unabhängigkeit Brasiliens werden. In die Zeit der Monarchie fällt der am längsten anhaltende Kriegskonflikt auf dem amerikanischen Kontinent. Es ist der Krieg der Farrapos von 1835 bis 1845, ein regionaler Krieg republikanischen Charakters. An dessen Ende steht eine Unabhängigkeitserklärung der Provinz São Pedro do Rio Grande do Sul. Zwischen 1864 und 1870 kämpft Brasilien an der Seite von Argentinien und Uruguay gegen Paraguay. Gegen Ende des Konflikts ist Paraguay geschlagen und beinahe 2/3 seiner Bevölkerung leben nicht mehr. Die Kriegsteilnahme von Negern und Mulatten auf brasilianischer Seite stärkt die Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei. Ein republikanisches Manifest von 1870 markiert den Anfang vom Ende der Monarchie. 1888 dann unterzeichnet Prinzessin Isabel, eine Tochter Dom Pedro II., das goldene Gesetz, womit die Zeit der Sklaverei endet. Ein Jahr später beginnt am 15. November mit der Proklamation die Zeit der Republik für Brasilien. Zum Schluss sei hier auf den Anlass der diesjährigen aktuellen Feierlichkeiten in Rio de Janeiro hingewiesen: Im Jahre 2008 jährt es sich zum zweihundertsten Male, dass tausende Mitglieder des damaligen portugiesischen Hofes unter Führung von König João VI. in Rio de Janeiro, welches seit 1763 Hauptstadt ist, anlanden. Der umfangreiche Hofstaat ist zu jener Zeit auf der Flucht vor den napoleonischen Truppen, die Portugal erobert haben. Rio de Janeiro wird so Haupstadt auch des portugiesischen Königreiches und nimmt eine enorme Entwicklung. Bis dato war Brasilien eine ehe arme Kolonie ohne Zeitungen, Universitäten, Bibliotheken oder Museen, ganz im Gegensatz zu den spanischen Kolonien, in denen es schon Universitäten im 16. Jahrhundert gab. König João VI., der 1821 nach Lissabon zurückkehrt, lässt seinen Sohn Dom Pedro zurück, der eigenmächtig erklärt: „Ich bleibe!“ Am 7.September 1822 erklärt dieser die Unabhängigkeit von Portugal, einen Monat später lässt er sich als Dom Pedro I. zum Kaiser krönen. Die Krönungskirche im Zentrum der Stadt wird momentan für die zu erwartenden diesjährigen Feierlichkeiten aufwändig restauriert.
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