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Brasilien und Argentinien wollen vereint Märkte erobern

Von Peter Rohmer | 01. September 2010

Südamerikanische Nachbarn unterzeichnen Vereinbarung für gemeinsame Aktion zur Exportförderung

Brasília - Nach dem Scheitern der Doha-Runde zur Liberalisierung des Handels in der Welthandelsorganisation (WTO) zeigten sich Brasilien und Argentinien überzeugt, dass die Vereinigten Staaten und die Europäische Union auch weiterhin das Sagen in internationalen Verhandlungen haben werden, und beschlossen, ihre Kräfte im Wettlauf um neue Märkte zu vereinen. Dabei sollen vor allem die Brasilien und Argentinien auferlegten Einfuhrbeschränkungen für frisches Rind-, Schweine- und Hähnchenfleisch bekämpft werden. Um die gemeinsame Aktion zu formalisieren, wird heute in einer beispiellosen Initiative in Buenos Aires eine Absichtserklärung zwischen den beiden Ländern vom argentinischen Landwirtschaftsminister, Julián Dominguez, und dem Exekutivsekretär des brasilianischen Landwirtschaftsministeriums, Gerardo Fontelles, unterzeichnet. Anlass ist die Vorstellung des strategischen, agro-alimentären und industriellen Wirtschaftsplans der argentinischen Präsidentin Cristina Kirchner.

Brasilianische Exporteure sind beispielsweise von einem jährlichen US$ 19,1 Milliarden Markt ausgeschlossen, was der Summe entspricht, für die die Hauptimporteure der Welt, die brasilianisches Frischfleisch ganz oder teilweise nicht zulassen, im Jahre 2008 einkauften. Dazu zählen etwa Japan, die USA, Russland, Mexiko, Südkorea, Kanada und China. Andrererseits verkaufte Brasilien, einer der grössten Fleischexporteure der Welt, USD 11 Milliarden im Jahre 2008, das weniger von der internationalen Finanzkrise als 2009 betroffen war und damit 2010 ähnlicher ist.

Laut Célio Porto, Sekretär für Internationale Beziehungen des Landwirtschaftsministeriums, verhandelt Brasilien bereits mit Japan, Korea, den USA und China über die Öffnung dieser Märkte bis zum Jahresende. Mit der argentinischen Verstärkung jedoch könnten auch die Russen überzeugt werden, ihre Fleischimporte generell zu erhöhen. Russland möchte der WTO beitreten und muss dafür ihren Mitgliedern Zugeständnisse machen. „Es ist klar, dass die USAVorzug im Verkauf von Hähnchen haben und die Europäer bei Schweinen. Wir müssen für einen höheren Anteil kämpfen“, erklärte Porto.

Nach Einschätzung des Geschäftsführenden Direktors des Business Council in Lateinamerika, Alberto Pfeifer, ist die Massnahme Beginn eines Integrationsprozesses. Über die Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen und Technologien hinaus könnten Brasilien und Argentinien mit der Absichtserklärung die Durchführung von koordinierten Massnahmen zur Produktion und Verteilung von Lebensmitteln, einschliesslich der Verhandlungen mit den Käufern sowie tariflicher und anderer Fragen erreichen. „Das hätte schon früher geschehen sollen. Das wird eine kräftige Weiterentwicklung geben und wir hoffen, dass zukünftig beide Länder gemeinsam aktiv werden, um die Ernte, besonders Sojabohnen, in einer integrierten Art und Weise zu verkaufen“, sagte Pfeifer.

Der Präsident des brasilianischen Schweinefleisch-Exportverbands, Pedro Camargo, kritiserte die Massnahme als haltlos: „Argentinien arbeitet gegen die Exporte, indem es Steuern auf den Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse erhebt. Unsere Makroökonomie unterscheidet sich von der argentinischen.“

Brasil Foods exportiert in Schwellenländer

Der Fleisch- und Lebensmittelkonzern Brasil Foods, im vergangenen Jahr durch die Fusion der Konkurrenten Perdigão und Sadia gebildet, wird laut Präsident José Antonio do Prado Fay angesichts der geringen Wachstumsperspektive der Europäischen Union (EU) seine Exporte auf die Märkte von Schwellenländern in Afrika und Eurasien umleiten. Im ersten Halbjahr hatte der Verkauf in die EU 21% Anteil am Gesamtverkauf und lag damit unter dem von 29% in den Mittleren Osten.

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